"Ein neues Kapitel"

"Ein neues Kapitel"

Interview mit dem neuen MPIIB-Gruppenleiter Igor Iatsenko

2. Oktober 2019

Igor Iatsenko hat in Kiew Mikrobiologie studiert und kam für seine Promotion an das Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Darauf folgte ein Postdoc an der École polytechnique de Lausanne in der Schweiz. Am 1. Oktober hat er eine Gruppenleiterstelle am MPIIB angetreten – hier wird er die Wirt-Erreger-Beziehungen bei der Fruchtfliege Drosophila erforschen. Sein Fokus liegt dabei auf den Mechanismen, mit denen pathogene Mikroorganismen Krankheiten auslösen, und wie Störungen von „nützlichen“ Mikroben die Gesundheit der Fliege beeinflussen.

Sie haben Ihre Stelle als Arbeitsgruppenleiter am 1. Oktober angetreten – was werden die nächsten Wochen bringen?

Die Startphase wird sehr arbeitsintensiv. Ich habe etwas Glück dabei: Ich kann viele Geräte aus einem Labor übernehmen, welches vor kurzem geschlossen wurde. Das macht mir den Start auf jeden Fall einfacher. Aber das Labor muss auch für unsere Forschung an der Fruchtfliege Drosophila ausgestattet werden. Das ist eine gewisse Herausforderung. Darüber hinaus muss ich mein Team auswählen und einarbeiten – das gehört zu meiner neuen Rolle als Gruppenleiter.

Ich persönlich muss erst einmal in Berlin ankommen und mich einleben. Meine Familie und ich werden eine Wohnung suchen und den Umzug aus der Schweiz nach Berlin organisieren. Ich habe schon gehört, dass es nicht so einfach ist, in Berlin eine Wohnung zu finden.

Igor Iatsenko, neuer Forschungsgruppenleiter am MPIIB

Was waren die bisherigen Stationen Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn?

Ich habe am MPI für Entwicklungsbiologie in Tübingen in der Abteilung von Ralf Sommer auf dem Gebiet der Wirt-Mikroben-Interaktion promoviert. Genauer gesagt habe ich mich mit den Verteidigungsmechanismen des Fadenwurms C. elegans gegen das Bakterium Bacillus thuringiensis beschäftigt. Ich habe untersucht, wie das Bakterium den Fadenwurm infiziert und abtötet und wie der Fadenwurm und sein Mikrobiom auf diesen Erreger reagieren. In meiner Doktorarbeit konnte ich zeigen, wie das Mikrobiom des Fadenwurms C. elegans diesen vor einer Bacillus thuringiensis-Infektion schützt.

Dieser Erfolg hat mich motiviert, weiter auf dem Gebiet der Wirt-Mikroben-Interaktion zu forschen. Meine nächste Station war eine Stelle als Postdoc im Labor von Bruno Lemaitre an der École polytechnique fédérale de Lausanne in der Schweiz. Hier habe ich mich mit den Abwehrmechanismen der Fruchtfliege Drosophila beschäftigt. Ziel meines Projektes war die Charakterisierung des Peptidoglycan-Rezeptors, also des Erkennungsproteins für einen Zucker, der in Bakterienzellwänden vorkommt. Es war bereits bekannt, dass der Rezeptor bei Insekten indirekt Bakterien abtöten kann. In einem ersten Paper habe ich beschrieben, wie der Rezeptor Bakterien erkennt; im zweiten Paper habe ich dann die Rolle dieses Rezeptors im Fliegendarm untersucht. Ich konnte nachweisen, dass Fliegen, die diesen Rezeptor nicht haben, ihr Mikrobiom nicht kontrollieren können – mit drastischen Folgen: Die Fliegen sind zum Beispiel besonders kurzlebig. Soweit zu meinem Postdoc-Projekt. Jetzt kann ich als Forschungsgruppenleiter am MPIIB ein neues Kapitel aufschlagen.

Sie haben schon einmal im Max-Planck Universum geforscht. Freuen Sie sich, wieder zurück zu sein?

Ich bin sehr zufrieden. Schon während meiner Doktorarbeit am MPI in Tübingen war mir klar, dass die Max-Planck-Institute weltweit zu den besten Orten gehören, an denen man unabhängig und frei forschen kann. Als Gruppenleiter genieße ich jetzt noch mehr Freiheit und kann meine eigenen Projekte durchführen. Das ist eigentlich das, was sich jeder Wissenschaftler wünscht: ausgestattet mit ausreichenden Ressourcen das zu erforschen, was einen interessiert. Gleichzeitig ist die wissenschaftliche Atmosphäre der Max-Planck-Institute sehr anregend. Man ist von Wissenschaftlern umgeben, die auf ihrem Gebiet führend sind. Das treibt auch die eigene Forschung an. Ich freue mich darauf, dabei zu sein.

Was erwartet Sie in Ihrer neuen Rolle als Forschungsgruppenleiter?

Ich will vor allem einen wichtigen Beitrag auf dem Gebiet der Wirt-Mikroben-Interaktionen leisten. Die Rolle als Forschungsgruppenleiter ist für mich neu: Ich forsche nicht mehr nur selbst, sondern habe ein ganzes Team zur Unterstützung. Das bringt neben vielen Vorteilen natürlich auch eine große Verantwortung mit sich, beispielsweise gegenüber meinen Promovierenden, die ich angemessen betreuen muss. Dafür werde ich meine Führungskompetenzen weiterentwickeln. Und ich muss die Qualität unserer Forschung sicherstellen. Es gibt also viele Herausforderungen, aber ich bin mir sicher, dass es eine produktive und tolle Zeit wird!

Was gefällt Ihnen besonders daran, Wissenschaftler zu sein?

Der Moment der Entdeckung! Das ist ein Moment, den man nur erleben kann, wenn man Wissenschaft betreibt. Man kommt eines Tages ins Labor, schaut auf seine Ergebnisse, überprüft alles noch einmal und plötzlich stellt man fest, dass man die Antwort auf seine Forschungsfrage kennt. Das ist der beste Moment – ein Moment, den ich bei meiner Forschung wirklich genieße.

Das Interview führte Christian Denkhaus

Zur Redakteursansicht