Geschichte

Im Rahmen der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten übernahm die Max-Planck-Gesellschaft die Verpflichtung, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in den zur alten Bundesrepublik hinzukommenden Ländern Zentren herausragender Grundlagenforschung zu schaffen.

Architektur und Kunst

Im Jahre 1994 wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt zur Errichtung eines Gebäudes auf dem Gelände der Charité in Berlin, in dem das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum eine angemessene Unterkunft finden sollten.

Die Lage auf dem Campus stellte in vielerlei Hinsicht hohe Anforderungen an die Planer und Architekten. So zwang die enge Begrenzung des Grundstücks zu einer Verdichtung der einzelnen Abteilungen innerhalb des zu errichtenden Gebäudes. Überdies machte der Baugrund, der wegen der Nähe zur Spree und der Lage im Berliner Urstromtal eine nicht unproblematische Beschaffenheit aufweist, eine aufwändige Unterkonstruktion auf Stützen, die bis zu 32 Meter in den Grund ragen, notwendig. Nicht zuletzt stellte das denkmalgeschützte Ambiente besondere Anforderungen an die Fassadengestaltung.

Diese Balance zwischen der besonderen Nutzung und der Angleichung an die örtlichen Bedingungen gelang dem Architekturbüro Deubzer & König in überzeugender Weise. Das neue Gebäude greift mit einer modernen, durch roten Betonstein farblich abgestimmten Fassade Stilelemente aus dem historischen Umfeld auf und passt sich harmonisch in das umliegende Ensemble ein. Über einen großzügigen Vorplatz erreicht man die eindrucksvolle, repräsentative Halle, die mit großer Transparenz den Besucher willkommen heißt. Hier wird noch nichts spürbar von der Arbeitsatmosphäre des Laborbereichs, der sich in einem weiteren Gebäudekomplex um einen Innenhof gruppiert. Die Labore entsprechen den hohen technischen Anforderungen, die das Arbeiten mit infektiösen Erregern und gentechnisch veränderten Organismen erfordert und sind für Besucher nicht zugänglich. So ermöglicht die Anordnung in zwei Gebäudeteile einerseits eine Offenheit für ein breites Publikum, gewährleistet andererseits aber die Sicherheit, die von einem Forschungsinstitut, das mit so gefährlichen Erregern wie Tuberkulose und Milzbrand arbeitet, verlangt wird.

Die Eingangshalle lässt mit großen Freiflächen bewusst Raum für unterschiedliche Gestaltung und bietet Gelegenheit für Veranstaltungen verschiedenster Art. Regelmäßig sind Künstler zu Gast, welche die Flächen für Ausstellungen und Darbietungen gerne nutzen. Für den Arbeitsalltag der Mitarbeiter bedeuten die wechselnden Präsentationen eine zusätzliche ästhetische Bereicherung.

Die „Heilsteine“ von Karin Sander als dauerhafte Installation beziehen sich aus Sicht der Künstlerin auf die Funktion des MPI. Sie ließ einen Smaragd einscannen; die daraus gewonnenen Daten wurden einer Fräse zugeführt, die aus zwei Aluminiumblöcken zwei identische, im Vergleich zum Original jeweils um das Neunfache vergrößerte „Abbilder“ fräste. Smaragden wird seit dem 12. Jahrhundert und noch heute in der Alternativmedizin besondere Heilkraft u.a. bei Rheuma und Infektionskrankheiten zugesprochen. Durch die Vergrößerung und damit der Steigerung ihrer visuellen Kraft verweisen sie mit einem Augenzwinkern auf die Aufgabe des Instituts, nach Ursachen und Linderungsmöglichkeiten, speziell bei Infektionen und Rheumaerkrankungen, zu forschen.

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