„Eine Zehn von Zehn“
Interview mit den Stipendiaten des International Summer Internships 2025
Ketura Gwei, Nathaniel Boateng und Patience Niwamanya waren unsere Stipendiat*innen des International Summer Internships 2025. Von August bis Oktober absolvierten sie ein Praktikum am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie – vollständig finanziert und ergänzt durch ein Workshop-Programm. Ketura studiert Biochemie an der Universität von Buea in Kamerun, Nathan hat gerade seinen Bachelor in Biochemie an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Kumasi, Ghana, abgeschlossen, und Patience studiert Molekularbiologie an der Makerere University in Kampala, Uganda. Im Interview erfahren Sie wie das Praktikum die Sicht von Ketura, Nathan und Patience auf die Wissenschaft geprägt hat, was die Highlights ihres Aufenthalts waren und welche Ratschläge sie zukünftigen Praktikant*innen geben würden.
Vor drei Monaten habt ihr euer Praktikum am Institut begonnen, jetzt ist es Zeit, wieder abzureisen. Wie war eure Erfahrung hier?
Patience: Für mich war es eine Zehn von Zehn. Alle meine Erwartungen wurden erfüllt und sogar übertroffen. Ich wurde gut betreut. Alles war unkompliziert, und ich musste mich nicht selbst mit komplizierten Dingen wie Visafragen oder Verwaltungsangelegenheiten auseinandersetzen, weil mir immer geholfen wurde.
Nathan: Bis jetzt war es großartig. Ich habe viele Leute kennengelernt und hatte viel Freiheit, um selbstständig Experimente durchzuführen und über meine Grenzen hinauszuwachsen. Ich habe viel gelernt!
Ketura: Es war besser als ich erwartet hatte. Angefangen bei der Unterstützung durch das International Office und die Hilfsbereitschaft aller im Labor bis hin zu den sozialen Aktivitäten wie dem Institutsretreat und dem Besuch in München war alles großartig.
Hattet ihr einen Kulturschock?
Nathan: Als wir in Berlin aus dem Hauptbahnhof gekommen sind, habe ich super viele Fahrradfahrnede gesehen – das hat mich überrascht. In Ghana sieht man wirklich nicht so oft Menschen auf Fahrrädern. Das ist natürlich nicht der einzige Unterschied, aber es war toll, all die kulturellen Unterschiede kennenzulernen.
Ketura: Für mich war es nicht so überraschend, weil ich schon letztes Jahr Deutschland besucht habe – damals war ich aber noch total schockiert, alles hat mich schockiert. Jetzt war es interessant, dass selbst in Berlin die meisten Dinge nur auf Deutsch sind und nicht gleich in mehreren Sprachen, was ich in einer so internationalen Stadt erwartet hätte.
Patience: Ich war noch nie in Deutschland. Natürlich wusste ich, dass hier alles anders sein würde, aber ich hatte keinen Kulturschock, sondern fand es eher aufregend. Es war spannend zu sehen, wie die Dinge hier anders gemacht werden.
Was war das Highlight eures Aufenthalts?
Patience: Der Besuch in München und Potsdam. Und der Besuch im Parlament! Ich habe die Ausflüge in die Stadt genossen, aber München war das Beste. Wir haben Institute und Biotech-Unternehmen besucht, sodass ich viel gelernt habe, und es hat Spaß gemacht.
Ketura: Mein Highlight war der Institutretreat. Es war beeindruckend zu sehen, wie schnell die Leute denken, als wir über Projekte diskutiert haben. Während ich noch über Zusammenhänge nachgedacht habe, hatten andere bereits Ideen. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch die vielen Seminare am Institut haben mir gefallen.
Nathan: Das ist schwer zu sagen. Ich bin ein großer Fußballfan, daher war es wahrscheinlich der Besuch der Allianz Arena in München. Aber beruflich gesehen bin ich hierhergekommen, um herauszufinden, ob ich promovieren möchte. Dominik, einer meiner Betreuer, hat mich zu Dissertationsverteidigungen mitgenommen und viel mit mir über eine Promotion gesprochen. Ich habe auch viele Vorträge während des Institutsretreats und der Seminarreihe „Voices in Infection Biology” besucht. All das war sehr hilfreich und hat mich motiviert, zu promovieren.
Wie hat das Praktikum eure Sicht auf die Wissenschaft verändert?
Nathan: In Ghana hatte ich nicht die Möglichkeit, viel im Labor zu arbeiten. Hier habe ich gesehen, wie Forschung mit neuestem Equipment betrieben wird. Das hat mir eine andere Perspektive auf die Grundlagenforschung eröffnet – vor allem, weil ich aus einem Land komme, in dem der Zugang zu Ressourcen sehr begrenzt ist. Wie bereits erwähnt, habe ich hier meinen Wunsch entdeckt, zu promovieren. Die Schulungen, die wir in den Workshops zum Thema „How to do a PhD“ erhalten haben, waren ebenfalls sehr aufschlussreich.
Ketura: Meine Sichtweise auf eine Promotion hat sich während meines Aufenthalts verändert. Vorher dachte ich, man müsse sich auf bestimmte Fähigkeiten konzentrieren, um zu promovieren. Aber durch die Workshops und Diskussionen mit Doktorand*innen ist mir bewusst geworden, dass noch viele andere Aspekte eine Rolle spielen: zum Beispiel, wie man eine gute Betreuung und ein gutes Thema auswählt. Es geht nicht nur um praktische Fähigkeiten im Labor.
Patience: Ich habe sehr geschätzt, wie hart die Forschenden arbeiten. Normalerweise sehe ich nur das Ergebnis, also die Veröffentlichungen in Fachzeitschriften wie „Nature“. Durch das Praktikum habe ich gelernt, wie viel Arbeit dahintersteckt. Früher dachte ich, dass Wissenschaft in erster Linie von einzelnen Wissenschaftlern betrieben wird. Hier habe ich aus erster Hand gesehen, dass Wissenschaft vor allem Zusammenarbeit ist.
Andererseits habe ich gelernt, dass man als Forschende unabhängig sein muss, und ich würde sagen, dass sich meine Fähigkeit, selbstständig im Labor zu arbeiten, in den letzten drei Monaten verbessert hat. Ich habe auch gelernt, dass man nicht von Anfang an alles wissen muss, sondern dass man bereit sein muss, zu lernen und andere um Hilfe zu bitten. Ich habe gesehen, dass gute Wissenschaftler*innen sich gegenseitig helfen und ihr Wissen teilen. Während meines gesamten Praktikums haben die Menschen ihr Wissen mit mir geteilt, und dafür bin ich sehr dankbar.
Habt ihr euch in den Forschungsgruppen willkommen gefühlt?
Ketura: Ich war im Labor mit den Postdocs Dhiren und Weijie und den Doktorand*innen Sergio und Dora. Alle waren immer sehr hilfreich und haben gesagt, dass ich mich jederzeit an sie wenden kann.
Nathan: Es hat mir gefallen, weil ich jeweils eine Woche mit verschiedenen Postdocs und PhDs im Labor verbracht habe. Ich habe viele Projekte gesehen und hatte die Gelegenheit, mich mit allen anzufreunden.
Patience: Bei mir war es genauso. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich meine Betreuerin Michelle störe, weil sie selbst hart an ihren eigenen Projekten gearbeitet hat. Aber sie war immer bereit, mir zu helfen. Das hat mich beeindruckt.
Woran habt ihr in der Zeit geforscht?
Patience: Ich habe mich mit der zellulären Programmierung des Tuberkulose-Granuloms beschäftigt. Das Thema ist insgesamt sehr umfangreich, und man arbeitet natürlich nur an einem winzigen Teilbereich – das trägt aber auch zur Beantwortung von großen Fragen bei.
Nathan: Ich war an drei großen Projekten beteiligt: der Stabilisierung von Plasmodium-Mikrotubuli, dem Verständnis, wie sich die Zelldichte in verschiedenen Stadien der Zellteilung verändert, und einem dritten Projekt, das sich auf die Bildgebung von Organoiden konzentrierte. Meine Projekte waren also sehr biophysikalisch.
Ketura: Ich habe an einem Projekt zur Biologie der Neutrophilen gearbeitet, bei dem ich molekulare Mechanismen mit zellulären Phänotypen während der Bildung von Neutrophil Extracellular Traps in Verbindung gebracht habe.
Habt ihr Tipps oder Empfehlungen für Studierende, die sich für das Praktikumsprogramm bewerben möchten?
Ketura: Bewerbt euch einfach! Verpasst diese wunderbare Gelegenheit nicht.
Nathan: Auch wenn ihr denkt, dass ihr nicht die besten Voraussetzungen mitbringt, solltet ihr euch trotzdem bewerben. Ich bin noch im Bachelorstudium und hätte nicht erwartet, dass ich gegenüber Masterstudierenden den Vorzug bekomme. Ich hatte keine praktischen Fähigkeiten, aber ich wusste einiges über den Malariaparasiten Plasmodium, was für das Projekt relevant war. Ich glaube, die Motivation für das Projekt zählt. Man muss sein Interesse an dem Projekt zum Ausdruck bringen.
Patience: Das würde ich auch sagen. Wenn ihr eine Idee und Lust habt, euch zu bewerben, dann macht es!
Es waren nur drei Monate und Berlin ist eine sehr internationale Stadt, habt ihr trotzdem ein paar deutsche Redewendungen aufgeschnappt?
Ketura: „Ausstieg in Fahrtrichtung links”.
Nathan: „Entschuldigung, sprechen Sie Englisch?” und „mit Karte bitte”.
Patience: „Dankeschön” war wichtig, und die Leute hier sagen wirklich oft „genau”, wenn sie sich unterhalten.
