Versuchstierzahlen 2025 im Überblick
Wie Infektionskrankheiten mithilfe von Tierversuchen erforscht werden
Am 24. April ist internationaler Tag des Versuchstiers. Wir nehmen diesen Tag zum Anlass, die Versuchstierzahlen des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie zu veröffentlichen. Hier finden Sie die Anzahl der eingesetzten Versuchstiere nach Spezies und die Belastungsgrade der Versuche im Vergleich zu den Vorjahren bis einschließlich 2020. Im Jahr 2025 wurde ein Großteil der Tierversuche am Institut zur Erforschung der Infektionskrankheit Tuberkulose an Zebrabärblingen und der Fischart Danionella cerebrum durchgeführt.
Im Jahr 2025 wurden am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie 1883 Tiere bei wissenschaftlichen Versuchen und zum Training von Auszubildenden eingesetzt. Damit bleibt die Zahl der Versuchstiere im Vergleich zum Vorjahr (1875 Tiere) konstant. Die am häufigsten eingesetzten Tiere waren Zebrabärblinge (861 Tiere). In größerem Maßstab wurde 2025 die Fischart Danionella cerebrum verwendet (535 Tiere), während die Anzahl der eingesetzten Mäuse im Vergleich zum Vorjahr stark zurückgegangen ist (900 Tiere in 2024; 482 Tiere in 2025). Drei Ratten wurden für das Training unserer Tierpflege-Auszubildenden eingesetzt. Darüber hinaus wurden zwei Versuche mit Krallenfröschen abgeschlossen. Eine Kurzvorstellung des Krallenfroschs Xenopus finden Sie auf unserer Experimentaltierseite.
Tuberkuloseforschung mit Zebrabärblingen und Danionella cerebrum
Jedes Jahr erkranken über zehn Millionen Menschen an Tuberkulose, mehr als eine Million Erkrankte sterben. Am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie erforscht das Cronan Lab die zentrale Struktur der Tuberkuloseinfektion: das Granulom, eine knötchenförmige Ansammlung von Immunzellen, die sich um Tuberkulosebakterien bildet.
Granulome verhindern, dass Immunzellen und Antibiotika die Tuberkulosebakterien erreichen. Die Forschungsgruppe von Mark Cronan sucht nach Wegen, um Granulome aufzulösen und für Antibiotika zugänglich zu machen. Das Zusammenspiel von Erregern und Immunzellen ist komplex. Deshalb können Granulome bislang nur am lebenden Organismus untersucht werden.
Versuchstierzahlen im Überblick
Ein geeignetes Modell für Tuberkulose-Granulome
Beim Menschen bilden sich Granulome meist in der Lunge. Obwohl Zebrabärblinge Kiemen statt einer Lunge haben, bilden sie bei einer Tuberkuloseinfektion Strukturen, die dem menschlichen Granulom sehr ähnlich sind. Aus diesem Grund lassen sich viele Ergebnisse aus Versuchen mit Zebrabärblingenauf menschliche Granulome übertragen. Das gilt auch für die dem Zebrabärbling ähnliche Fischart Danionella cerebrum. Mäuse sind zwar gängigere Versuchstiere, entwickeln jedoch keine vergleichbaren Granulome.
Tierversuche in der Tuberkuloseforschung
Um Tuberkulosegranulome zu untersuchen, infizieren Forschende am Institut Zebrabärblinge und Danionella cerebrum mit dem Bakterium Mycobacterium marinum, einem nahen Verwandten des menschlichen Tuberkuloseerregers. Die Fische erkranken und bilden Granulome, weshalb der Versuch in der gesetzlichen Einstufung als mittlere Belastung gewertet wird. Darüber hinaus züchten die Forschenden genetisch veränderte Fische, um zum Beispiel Zellen des Immunsystems spezifisch anzufärben. Die Züchtungen gelten als Tierversuch und werden als gering belastend eingestuft. Weitere Informationen über die Schweregrade von Tierversuchen finden Sie auf unserer Website.
Zahl der eingesetzten Mäuse halbiert
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der eingesetzten Mäuse von 900 auf 482 annähernd halbiert. Die Tiere wurden wie in den Vorjahren zu Erforschung von Immunzellen und der Infektionskrankheit Malaria verwendet. Der größte Teil der Versuche an Mäuse waren Genotypisierungen. Der Genotyp bezeichnet die gesamte genetische Ausstattung eines Lebewesens. Bei der Genotypisierung überprüfen Forschende das Erbgut der Mäuse um festzustellen, ob eine gentechnische Veränderung erfolgreich war. Um genetisches Material für die Untersuchung zu gewinnen, genügt ein kleines Stück Gewebe, das meist vom Ohr gewonnen wird. Die Untersuchungen gelten in der gesetzlichen Einstufung als Versuche mit geringer Belastung. Zurzeit erfolgen diese Züchtungen in Vorbereitung auf zukünftige Versuche.
Tierversuche nach Belastungsgraden
Tierversuche in der Malariaforschung
Jedes Jahr erkranken fast 250 Millionen Menschen an Malaria. Die zwei in den letzten Jahren zugelassenen Malaria-Impfstoffe sind ein großer Fortschritt im Kampf gegen die Krankheit, müssen aber noch im Säuglingsalter mehrfach verabreicht werden und haben eine Wirksamkeit von weniger als 70 Prozent. Deshalb suchen Forschende weiterhin nach Impfstoffen.
In der Forschungsgruppe Vektorbiologie wurden Mäuse eingesetzt, um einen potentiellen Impfstoff gegen Malaria zu testen. Um den Impfstoffkandidaten zu identifizieren, gingen den Versuchen umfangreiche Tests in Zellkulturen voraus, wodurch eine große Zahl von Tierversuchen eingespart werden konnte. Ob ein Impfstoff den gewünschten Schutz vermittelt, muss jedoch am lebenden Organismus getestet werden.
Einsatz von Ratten in Tierpflege-Ausbildung
Am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie bilden wir auch Tierpfleger*innen aus. Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist der Umgang mit Tieren. Da im vergangenen Jahr keine Ratten am Institut in Versuchen eingesetzt wurden, wurden diese Lehrinhalte außerhalb von wissenschaftlichen Tierversuchen durchgeführt. Auszubildende lernen unter anderem wie sie die Tiere sicher zwischen Käfigen umsetzen, wie man Blut abnimmt und wie sie Ratten artgerecht töten.
Tierversuche bleiben wichtiger Bestandteil der Infektionsforschung
Tierversuche sind in der biomedizinischen Forschung – auch am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie – nach wie vor unverzichtbar. Nach aktuellem Forschungsstand sind sie ein wichtiger Teil des experimentellen Methodenspektrum, besonders für die Erforschung der komplexen Mechanismen unseres Immunsystems.
Die Forschungsgruppen des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie nutzen eine Vielzahl an tierversuchsfreien Methoden. Dazu zählen zum Beispiel Computermodelle sowie Experimente mit Zellkulturen, Bakterien, wirbellosen Tieren und menschlichem Spendergewebe. Bevor Forschende auf Tierversuche zurückgreifen, wird stets geprüft, ob eine tierversuchsfreie Methode zur Beantwortung der wissenschaftlichen Fragesteilung ausreicht.
Auch wenn die Entwicklung von Alternativmethoden stetig voranschreitet und manche Tierversuche inzwischen ersetzt und die Zahl der eingesetzten Tiere reduziert werden können – ein vollständiger Ersatz von Tierversuchen ist derzeit nicht absehbar. Auch in Zukunft werden diese Versuche zum Erkenntnisgewinn und zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze und Methoden benötigt.


