Bonnie L. Bassler erhält den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2021

28. Januar 2021

Der hochdotierte Preis geht an Bonnie L. Bassler, die als Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie berufen ist, und an Michael R. Silverman – beide werden für ihre Entdeckungen zum „Quorum Sensing“ in Bakterien ausgezeichnet

Michael R. Silverman (links) und Bonnie L. Bassler werden für Entdeckungen zur bakteriellen Kommunikation geehrt.

“Is there anybody out there?” Auch Bakterien wollen wissen, was um sie herum vor sich geht – dazu kommunizieren sie miteinander und tauschen sich aus. Dabei steht Bakterien ein ganzes Arsenal an Molekülen zur Verfügung, mit denen sie sich gegenseitig darüber informieren können, was in ihrer Umgebung vor sich geht. Für diese Kommunikation – das Senden und Empfangen von Signalen unter Bakterien – wurde der Begriff "Quorum Sensing" geprägt. Die Idee: Erst wenn ein bestimmtes Quorum erreicht ist, macht gemeinsames Verhalten Sinn. So zum Beispiel die Bildung von Toxinen, mit der ein einzelnes Bakterium keine Wirkung im Wirt hätte und im Zweifelsfall nur das Immunsystem auf sich aufmerksam machen würde. In ausreichend großer Gruppe kann jedoch das Toxin seine Wirkung entfalten und das Immunsystem gleichzeitig überfordert werden – ein klarer Vorteil für die Bakterien.

Das Bakterien sich verständigen und auf ein einheitliches Vorgehen einigen können haben Bonnie L. Bassler und Michael R. Silverman gezeigt. Silverman hatte zuerst in den 1980er-Jahren in Zwergtintenfischen entdeckt, dass deren blau-grünes Leuchten von koordinierten Bakterien ausgeht. Bassler, die nach ihrer Promotion in das Labor von Silverman wechselte, entdeckte dann Anfang der 1990er, dass es noch andere Kommunikationsmoleküle in Bakterien gibt. Kollektives Verhalten ist also nicht nur unter vielzelligen Organismen die Regel, sondern auch unter Bakterien. Für diese Entdeckungen ehrt der diesjährige Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis Michael R. Silverman, Emeritus des Agouron Institute in La Jolla, und Bonnie L. Bassler von der Princeton University und dem Howard Hughes Medical Institute.

In der Pressemitteilung der Paul Ehrlich Stiftung äußert sich auch Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg zu den Entdeckungen der beiden Preisträger*innen: „Die Bedeutung für die Mikrobiologie und Medizin ist erst kürzlich in ihrer ganzen Tragweite erkannt worden. Erst nach Jahrzehnten zäher Forschungsarbeit und nach vielen herausragenden Publikationen waren die Kritiker davon überzeugt, dass nicht nur Vibrio fischeri und Vibro harveyi die Kunst der bakteriellen Kommunikation beherrschen, sondern wohl alle Bakterien. Das hat nicht nur zu einem fundamentalen Perspektivenwechsel in der Bakteriologie geführt, sondern ebenso zu gänzlich neuen Ansätzen in der Antibiotika-Forschung“.

Bonnie L. Bassler ist Mikrobiologin, Forscherin am Howard Hughes Medical Institute und Leiterin des Instituts für Molekularbiologie an der Universität Princeton sowie Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck Instituts für Infektionsbiologie. Um das internationale wissenschaftliche Netzwerk der Max-Planck-Institute zu stärken, benennt die Max-Planck-Gesellschaft herausragende Wissenschaftler*innen als Auswärtige Wissenschaftliche Mitglieder eines Instituts. Weitere Auswärtige Wissenschaftliche Mitglieder des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie sind Jörg Hacker, Fritz Melchers und Philippe Sansonetti.

Michael R. Silverman ist ebenfalls Mikrobiologe und forschte von 1982 bis zu seinem Ruhestand am Agouron Institute in La Jolla, dessen Mitbegründer er ist.

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