Epidemiologie der Infektionskrankheiten

Epidemiologie der Infektionskrankheiten

Unsere Forschungsgruppe befasst sich mit der Populationsbiologie von Infektionskrankheiten. Wir untersuchen, wie Infektionsmechanismen auf der Ebene des Einzelorganismus eine Dynamik auf Populationsebene entwickeln. Unsere Forschungsgruppe nutzt mathematische Modelle und statistische Rückschlüsse, um biologische Hypothesen zu formulieren und anhand von langfristigen epidemiologischen Daten zu überprüfen. So wollen wir Erkenntnisse generieren, die sich zum Schutz der öffentlichen Gesundheit einsetzen lassen.

Impfstoff-Epidemiologie

Wirksamkeit azellulärer Keuchhustenimpfstoffe (Domenech de Cellès M, Rohani P, and King AA, JAMA Pediatr 2019;173(6):588)

Mehr als zwei Jahrhunderte nach ihrer Entdeckung spielen Impfstoffe immer noch eine tragende Rolle im Kampf gegen Infektionskrankheiten – die technologischen Fortschritte in der Impfstoffentwicklung dürften ihre Bedeutung weiterhin verstärken. Ebenso bedeutend ist daher das Forschungsgebiet der Impfstoff-Epidemiologie: Wie wirksam Impfstoffe sind und wie sie sich auf die Epidemiologie der Krankheiten auswirken, denen sie vorbeugen. Unser Ziel ist es, die Mechanismen des Impfschutzes auf individueller Ebene aufzuklären und gleichzeitig ihre Auswirkungen auf der Bevölkerungsebene zu quantifizieren. Darüber hinaus wollen wir unsere Forschungsergebnisse in wissenschaftliche Informationen übersetzen, die in die Gestaltung von Impfprogrammen einfließen.

Erreger-Erreger-Interaktionen und Saisonalität von Infektionskrankheiten

Saisonabhängigkeit ist ein faszinierendes Merkmal vieler Infektionskrankheiten. Bekannte Beispiele sind die verschiedenen Viren, die im Winter in gemäßigten Klimazonen Epidemien von Atemwegsinfektionen (z. B. Grippe, Erkältung) verursachen. Obwohl diese Saisonabhängigkeit schon seit der Antike bekannt ist, sind die zugrundeliegenden Mechanismen für viele Infektionskrankheiten nach wie vor unklar. Es gibt verschiedene Hypothesen zu den Gründen von Saisonabhängigkeit, vom Wettereinfluss über saisonale Veränderungen im Wirtsverhalten (z. B. weniger Kontakte zwischen Kindern während der Schulferien) bis hin zu Erreger-Erreger-Interaktionen (d. h. eine bestimmte Infektion prädisponiert für eine andere Infektion und  überträgt daher ihre Saisonalität auf diese zweite Infektion). Unsere Forschungsgruppe versucht, diese verschiedenen Hypothesen zu formalisieren und systematisch zu vergleichen, um die Vorhersagbarkeit und Kontrolle von Infektionskrankheiten zu verbessern.

Saisonalität invasiver Pneumokokken-Erkrankungen im Zusammenhang mit Grippe und Klima (Domenech de Cellès M et al., Proc Natl Acad Sci 2019;116(5):1802–7)
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