Welt-Malaria-Tag - Parasitenforschung will gelernt sein

Internationales Training für Vektorbiolog*innen am MPIIB

24. April 2020

Für eine Woche waren die malische Doktorandin Assetou Dionegue Diarra und der argentinische Wissenschaftler Marcos Sterkel zu Gast am MPIIB. In der Arbeitsgruppe Vektorbiologie haben sie im Rahmen eines Infravec2-Kurses die wichtigsten Techniken für die Arbeit mit Malaria-Parasiten erlernt und neue Kontakte geknüpft.

„Ihr müsst aufpassen, dass ihr nicht das Gewebe zerstört.“ Giulia Costa zeigt auf einen Monitor, an den ein Stereo-Mikroskop angeschlossen ist. Die Malaria-Wissenschaftlerin des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin zerlegt gerade einen Moskito in seine Einzelteile. Gebannt folgen Assetou Dionegue Diarra und Marcos Sterkel dem Vorgang. Auch mit 10-facher Vergrößerung ist höchste Präzision nötig, um den feinen Moskitomagen mit den Malaria-Parasiten unbeschadet herauszuschneiden.

Die malische Moskitoforscherin Assetou Dionegue Diarra und Marcos Sterkel aus Argentinien waren Anfang März zu Gast in der Forschungsgruppe Vektorbiologie. Eine Woche lang konnten sie viele Techniken für den Umgang mit Malariaparasiten im Moskito kennenlernen: Überträgerstadien der Parasiten kultivieren, Moskitomägen und Speicheldrüsen entnehmen, Parasiten aufreinigen und für die Mikroskopie anfärben. Alles wichtige Schritte, um den Malariaparasiten Plasmodium falciparum erfolgreich im afrikanischen Moskito Anopheles coluzii zu analysieren.

Neue Techniken erlernen

„So gut wie alle Techniken sind neu für mich“, erklärte Assetou Dionegue Diarra, die an der University of Science, Techniques and Technology in Bamako schon viele Experimente an Moskitos durchgeführt hat. Die Vektorbiologin ist in den letzten Zügen ihrer Promotion, in der sie sich vor allem auf das Mikrobiom der Moskitos konzentriert hat. Dabei hat sie die Bakterienpopulationen in Moskitos und ihrem Lebensraum in Mali untersucht. Der Kurs spielt eine wichtige Rolle für Assetou Dionegue Diarras weitere wissenschaftliche Laufbahn: „Ich habe mich für das Training beworben, weil ich zukünftig auch mit Malaria-Parasiten arbeiten möchte. Darüber hinaus will ich die Techniken, die ich hier am Max-Planck-Institut gelernt habe, auch an meine Kollegen weitergeben.“

Mit höchster Präzision seziert der argentinische Forscher Marcos Sterkel einen Moskitomagen in dem sich auch die Malariaparasiten finden.

Vom Moskito zum Parasiten

Auch Marcos Sterkel von der Universität La Plata in Argentinien hat viel Neues gelernt. Er erforscht schon seit langem Insekten, die sich von menschlichem Blut ernähren und so Krankheiten übertragen können. Zu diesen sogenannte hämatophage Vektoren zählen auch Malaria-Mücken. „Ich untersuche, wie man den Aminosäure-Stoffwechsel von Moskitos als Angriffsziel in der Insektenbekämpfung nutzen kann. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich auch die Parasiten schlechter entwickeln, wenn man den Moskito-Stoffwechsel angreift. Jetzt möchte ich den dahinterliegenden Mechanismus aufdecken“, so Marcos Sterkel. Für sein neues Forschungsprojekt benötigt er ein gute Grundlagen der Parasitenbiologie. „Ein Bekannter hat mich bei einer Konferenz in Liverpool auf den Kurs aufmerksam gemacht – das war genau das richtige für mich, um in die Arbeit mit Malariaparasiten einzusteigen“

Infravec2

Das Parasitentraining wurde im Rahmen des Infravec2-Programms organisiert, einem internationalen Netzwerk von Instituten und Start-Ups auf dem Gebiet der Vektorbiologie (infravec2.eu). Das von der Europäischen Union finanzierte Programm ermöglicht den Zugang zu Forschungsinfrastrukturen, biologischen Proben und Ausbildungskursen in Europa für Drittstaaten. Dazu gehören auch die Länder, die am meisten von vektorübertragenen Infektionskrankheiten betroffen sind. Als solches bietet Infravec2 umfassende Ausbildungskurse in Vektor- und Parasitenbiologie an.

Die Forschungseinheit für Vektorbiologie von Elena Levashina ist einer von 24 Kooperationspartnern des Programms. Häufig sind die Techniken und Einrichtungen, die zur Untersuchung vektorübertragener Krankheiten benötigt werden, heikel, anspruchsvoll und kostspielig. Sie basieren auf mindestens drei verschiedenen lebenden Organismen: Pathogene und Insektenvektoren, wie beispielsweise Malariaparasiten und Moskitos, sowie ihre Wirte. Viele Aspekte müssen kontrolliert werden, um aussagekräftige Experimente durchzuführen.

Weltweit gibt es nur sehr wenige Einrichtungen, die solche Studien ermöglichen. Infravec2 wurde daher als Initiative ins Leben gerufen, Vektorbiologen auf der ganzen Welt Zugang zu solchen Einrichtungen zu bieten. Nachdem ein Projekt durch einen internen Prüfungsausschuss genehmigt wurde, werden die Kosten vollständig von der Europäischen Union gedeckt. Darüber hinaus setzt sich Infravec2 mit mehreren Projekten dafür ein, Sicherheitsvorschriften und Protokolle für den Umgang mit Vektorinsekten und ihren Erregern im Labor auf europäischer Ebene zu harmonisieren. Infravec2-Projekte fördern weltweit hohe Standards der experimentellen Reproduzierbarkeit in der vektorbiologischen Forschung.

Entscheidende Zusammenarbeit

Internationale Zusammenarbeit ist in der Infektionsbiologie entscheidend. Das Team von Elena Levashina arbeitet seit langem mit Kollegen von der Universität Bamako in Mali zusammen, um Mücken- und Umweltproben zu sammeln: Eine Datenmenge, die viele Jahre experimenteller und theoretischer Forschung erfordert. Auch Assetou Dionegue Diarra hat bei diesen Sammlungen teilgenommen und so die Wissenschaftler*innen des MPIIB kennengelernt – für Sie ein weiterer Grund um ans Institut zu kommen Die Wirkung des Kurses ging weit über die technische Ausbildung hinaus: „Der Austausch war besonders spannend“, so Marcos Sterkel. „Ich habe nicht nur gelernt, wie man die Parasiten untersucht, sondern auch mitbekommen wie die Wissenschaftler hier am Institut arbeiten und tolle neue Kontakte geknüpft.“

Das Team von Elena Levashina hat sich für den Kurs abgewechselt, um eine möglichst breite Ausbildung zu ermöglichen.
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