Geschichte

Geschichte

Im Rahmen der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten übernahm die Max-Planck-Gesellschaft die Verpflichtung, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in den zur alten Bundesrepublik hinzukommenden Ländern Zentren herausragender Grundlagenforschung zu schaffen.

Die Enstehungsgeschichte des Instituts

Eines der Ersten war das Institut für Infektionsbiologie, das der Senat der Max-Planck-Gesellschaft in seiner Sitzung am 13.03.1992 ins Leben rief. Der deutsche Forschungsbeitrag zu virusbedingten Infektionskrankheiten fand zum damaligen Zeitpunkt zwar bereits internationale Anerkennung, die wissenschaftliche Beschäftigung mit Infektionen, die von Bakterien, Pilzen und Protozoen verursacht werden, fristete dagegen ein Schattendasein. Zur Etablierung dieses Fachgebietes sollte die Neugründung des Instituts ausdrücklich beitragen, wobei eine enge Vernetzung mit Kliniken und entsprechenden Forschungsabteilungen der Universitäten von vornherein angestrebt wurde. Diese Anforderungen gaben schließlich den Ausschlag für die Wahl des Standortes: den Campus des traditionsreichen Universitätsklinikums Charité, das auf dem Gebiet der ehemaligen DDR im Zentrum von Berlin liegt.

Die Geschichte der Charité ist eng verbunden mit Infektionskrankheiten. Angesichts einer sich ausbreitenden Pestepidemie wurde sie 1710 als Quarantänestation und Lazarett gegründet - damals noch weit vor den Toren Berlins.  Berlin dehnte sich aus, und die ehemalige Quarantänestation rückte nach und nach aus der anfänglichen Randlage in das Zentrum einer Metropole.

In ihrer wechselvollen Geschichte war sie zunächst unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I, dem sie auch ihren Namen verdankt, aus nahe liegenden Gründen Militärhospital, später auch Bürgerlazarett und Ausbildungsstätte, bis man die Charité im 19. Jahrhundert der Humboldt-Universität als Klinikum angegliederte.

Hiermit begann ihre große Zeit, die mit Namen wie Rudolf Virchow, Hermann von Helmholtz und Robert Koch verbunden ist, einer Generation von Ärzten, die - ganz anders als ihre Vorgänger - Krankheiten mit wissenschaftlichen Augen betrachteten. Mit neuen Ansätzen verknüpften sie medizinische mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr neuer methodischer Ansatz führte zu bahnbrechenden Ergebnissen wie z. B. die Entdeckung mehrerer Erreger - darunter jenes der damals in ganz Europa grassierenden Tuberkulose.

1891 übernahm Robert Koch das von ihm gegründete Institut für Infektionskrankheiten. Das neue Institut sollte fast hundert Jahre später in unmittelbarer Nähe dieses Standortes entstehen. Die Suche nach einem geeigneten Bauplatz erwies sich zunächst aus mehreren Gründen als nicht einfach, doch konnte 1996 endlich der Grundstein für das Gebäude gelegt werden, in dem ebenfalls das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum seinen Platz fand.

Als erster Direktor am Institut und Leiter der Abteilung Immunologie wurde 1993 Prof. S.H.E Kaufmann an das neugegründete Institut berufen. Im darauf folgenden Jahr (1994) nahm Prof. Th. F. Meyer den Ruf als Direktor am Institut und Leiter der Abteilung Molekulare Biologie an. Gemeinsam begannen die beiden Direktoren mit dem Aufbau des Instituts, das seine Forschungsarbeit zunächst in eigens umgebauten provisorischen Laborräumen aufnahm. Bis zum Bezug des Neubaus im Jahr 2000 wurden die beiden ersten Abteilungen sowie die wissenschaftlichen Serviceeinrichtungen bereits vollständig eingerichtet.

Mit Bezug des Neubaus konnte der Aufbau fortgesetzt werden und 2001 wurde A. Zychlinsky zum dritten Direktor und Leiter der Abteilung Zelluläre Mikrobiologie an das Institut berufen.

In den folgenden Jahren wurden die Wissenschaftlichen Nachwuchsgruppen und unter der Ägide von Fritz Melchers eine Seniorgruppe etabliert. Seit 2009 forschen Kai Matuschewski und Elena Levashina als Max-Planck Investigator an der Etablierung von Methoden zur Bekämpfung der Malaria.

Seit der Öffnung Europas nach Osten rücken beherrschbar geglaubte Krankheiten wie Tuberkulose wieder in den Fokus. Bisher unbekannte Infektionskrankheiten entstehen und werden durch die Mobilität der Gesellschaft schnell zu einer Bedrohung, wie jüngst das Beispiel SARS zeigte. Daneben konnten Infektionserkrankungen als Vorläufer von Krebs (Helicobacter pylori) oder als mögliche Kofaktoren von Herz-Kreislauferkrankungen (Chlamydien) identifiziert werden.

Angesichts einer solchen Entwicklung gewinnen die Forschungsinhalte des Instituts besondere Bedeutung. Seine Arbeit trägt dazu bei, die Mechanismen zu verstehen, mit denen der Körper Eindringlinge wie Bakterien bekämpft und sich vor ihnen schützt. Dazu steht heute ein breites Methodenspektrum der Zell- und Molekularbiologie zur Verfügung. Die grundlegenden Erkenntnisse der körpereigenen Abwehr helfen, Impfstoffe zu entwickeln, die den Körper auf die Angriffe gefährlicher Erreger vorbereiten, um Abwehrstrategien gegen die krankmachenden Infektionsattacken bereit zu halten.

Architektur und Kunst

Im Jahre 1994 wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt zur Errichtung eines Gebäudes auf dem Gelände der Charité in Berlin, in dem das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum eine angemessene Unterkunft finden sollten.

Die Lage auf dem Campus stellte in vielerlei Hinsicht hohe Anforderungen an die Planer und Architekten. So zwang die enge Begrenzung des Grundstücks zu einer Verdichtung der einzelnen Abteilungen innerhalb des zu errichtenden Gebäudes. Überdies machte der Baugrund, der wegen der Nähe zur Spree und der Lage im Berliner Urstromtal eine nicht unproblematische Beschaffenheit aufweist, eine aufwändige Unterkonstruktion auf Stützen, die bis zu 32 Meter in den Grund ragen, notwendig. Nicht zuletzt stellte das denkmalgeschützte Ambiente besondere Anforderungen an die Fassadengestaltung.

Diese Balance zwischen der besonderen Nutzung und der Angleichung an die örtlichen Bedingungen gelang dem Architekturbüro Deubzer & König in überzeugender Weise. Das neue Gebäude greift mit einer modernen, durch roten Betonstein farblich abgestimmten Fassade Stilelemente aus dem historischen Umfeld auf und passt sich harmonisch in das umliegende Ensemble ein. Über einen großzügigen Vorplatz erreicht man die eindrucksvolle, repräsentative Halle, die mit großer Transparenz den Besucher willkommen heißt. Hier wird noch nichts spürbar von der Arbeitsatmosphäre des Laborbereichs, der sich in einem weiteren Gebäudekomplex um einen Innenhof gruppiert. Die Labore entsprechen den hohen technischen Anforderungen, die das Arbeiten mit infektiösen Erregern und gentechnisch veränderten Organismen erfordert und sind für Besucher nicht zugänglich. So ermöglicht die Anordnung in zwei Gebäudeteile einerseits eine Offenheit für ein breites Publikum, gewährleistet andererseits aber die Sicherheit, die von einem Forschungsinstitut, das mit so gefährlichen Erregern wie Tuberkulose und Milzbrand arbeitet, verlangt wird.

Die Eingangshalle lässt mit großen Freiflächen bewusst Raum für unterschiedliche Gestaltung und bietet Gelegenheit für Veranstaltungen verschiedenster Art. Regelmäßig sind Künstler zu Gast, welche die Flächen für Ausstellungen und Darbietungen gerne nutzen. Für den Arbeitsalltag der Mitarbeiter bedeuten die wechselnden Präsentationen eine zusätzliche ästhetische Bereicherung.

Die „Heilsteine“ von Karin Sander als dauerhafte Installation beziehen sich aus Sicht der Künstlerin auf die Funktion des MPI. Sie ließ einen Smaragd einscannen; die daraus gewonnenen Daten wurden einer Fräse zugeführt, die aus zwei Aluminiumblöcken zwei identische, im Vergleich zum Original jeweils um das Neunfache vergrößerte „Abbilder“ fräste. Smaragden wird seit dem 12. Jahrhundert und noch heute in der Alternativmedizin besondere Heilkraft u.a. bei Rheuma und Infektionskrankheiten zugesprochen. Durch die Vergrößerung und damit der Steigerung ihrer visuellen Kraft verweisen sie mit einem Augenzwinkern auf die Aufgabe des Instituts, nach Ursachen und Linderungsmöglichkeiten, speziell bei Infektionen und Rheumaerkrankungen, zu forschen.

 
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